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Flying Music Circus

Projektreview Februar 2013. In Sachsen gibt es ein sehr hohes künstlerisches Potential aber extrem schlechte wirtschaftliche Strukturen im Bereich der Popmusik. Hunderte Bands/Live-Acts fehlt der Zugang zu professionellen Management-Strukturen, überregional aktiven Bookern, Musikverlagen oder Vermarktern. Dies betrifft insbesondere die Subkultur, also die Basis musikalischer Innovation. Nachwuchsbands sind besonders von diesen Strukturschwächen betroffen. Viele von ihnen scheitern daran, ihre Musik über die eigene Region hinaus zu verbreiten.

Neben einer Förderung der wirtschaftlichen Akteure sind vor allem Projekte nötig, die der Szene nachhaltig Selbstbewusstsein und Handlungsspielräume geben. Gefragt sind Ansätze, die den Gedanken des Bandwettbewerbs konsequent weiter denken und auf eine authentische und ökonomische Ebene hieven, bei der Musikschaffende Erfahrungen mit hohem Praxisbezug machen.

Vor diesem Hintergrund entstand das Projekt „Flying Circus“ (im Folgenden auch „Flying Music Circus“) als gemeinschaftliches, genreübergreifendes Projekt von Partnern, die in den drei sächsischen Kreativmetropolen bereits stark vernetzt sind. Für Leipzig agierte der Verein Kreatives Leipzig eV - AG Musik (Zuwendungs-empfänger), für Dresden die Scheune Akademie des scheune e.V. und für Chemnitz der Bandbüro Chemnitz e. V.

Ziel war eine effektive praktische Unterstützung, von der die Musikschaffenden direkt profitieren. Zur Zielgruppe gehörten folglich alle Acts, die den Anspruch verfolgen, überregionale Bekanntheit zu erlangen. Mittel- bis langfristiges Ziel des Projekts ist ein Beitrag vom Aufbau von leistungsfähigen Strukturen der Musikwirtschaft in den drei sächsischen Großstädten. Die Projektpartner traten mit dem Anspruch an, mit dem „Flying Music Circus“ eine echte und nachhaltige Spitzenförderung im subkulturellen Kontext zu erreichen.

Die Projektumsetzung startete mit einer Auftaktberatung am 5. November 2011, an der neben der Initiative Musik auch weitere Förderer des Projektes teilnahmen. Kurz darauf wurde der Auftrag zur Entwicklung eines Corporate Designs sowie zur Programmierung einer Online-Plattform vergeben, so dass ab Februar 2012 die Anmeldung interessierter Acts erfolgen konnte. Alle Projektpartner nutzten ihre jeweiligen Kanäle, um auf das Angebot aufmerksam zu machen. Insgesamt meldeten sich 62 Acts aus ganz Sachsen und unterschiedlichen musikalischen Genres an.

Im nächsten Schritt erfolgte die Auswahl der vielversprechendsten Acts. Dabei wurde jeder unabhängig voneinander von mindestens drei Mitgliedern des erweiterten Projektteams bewertet. Zur Jury gehörten so Labelmanager, Booker und Musikpromoter aus den drei sächsischen Großstädten. Am Ende entstanden so knapp 200 Bewertungen, die in einer Datenbank zusammengeführt wurden. Aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen nahm die Bewertung deutlich mehr Zeit als ursprünglich geplant in Anspruch und konnte erst im August 2012 abgeschlossen werden. Anschließend wurde das Bewertungsergebnis noch den Experten vorgelegt, die das Projekt unterstützen. Das Ergebnis wurde den anmeldeten Acts Ende September 2012 kommuniziert.

Die Bewertung fand in den Kategorien Komposition, Interpretation und öffentlicher Auftritt statt. In jeder Kategorie konnten maximal fünf Punkte vergeben werden – insgesamt waren somit maximal 15 Punkte möglich. Die Acts, die bei der Bewertung zwölf oder mehr Punkte erhalten hatten, qualifizierten sich für die Intensivförderung in Form von Vertiefungsseminaren, der Einladung zur Tournee sowie zur Teilnahme am geplanten Vinyl-Sampler.

Da ein zwischenzeitlich bei der Kulturstiftung des Freistaats Sachsen gestellter Antrag nicht genehmigt wurde, musste der Finanzplan soweit zusammengestrichen werden, dass trotzdem alle geplanten Projektbestandteile realisierbar blieben. Aufgrund des hohen (unentgeltlichen) Einsatzes des Projektteams war es möglich, das Vorhaben trotz äußerst geringer Finanzmittel trotzdem vollumfänglich zu realisieren.

Im Herbst 2012 begann die Vorbereitung der Tournee. Da seitens der Initiative Musik für die Umsetzung nur noch bis Januar 2013 Zeit eingeräumt wurde, mussten alle Konzerte kurz vor Ende der Laufzeit geballt stattfinden. Dies bedeutete einerseits eine hohe Belastung für das eh schon ehrenamtliche Projektteam, andererseits ergaben sich dadurch bessere Möglichkeiten in der Bewerbung der Veranstaltungen. Eine frühere Durchführung war aufgrund des notwendigen Vorlaufs im Booking der Clubs unmöglich.

Insgesamt nahmen 12 Acts in vier Zusammenstellungen an der Kurz-Tournee mit Stationen in Dresden, Chemnitz und Leipzig teil. Insgesamt wurden 35 Gigs gespielt (Harry Bushh!! mussten ihren Gig in Dresden kurzfristig absagen, da sie sich für das Finale des Chesterfield f6 Music Award qualifizieren konnten). Folgende Besucherzahlen wurden dabei erreicht (nur zahlende Besucher gerechnet):

Parallel zur Tournee wurde der Vinyl-Sampler (500 Stück) produziert. Hierfür mussten die eingereichten Songs neu gemastert werden, um den spezifischen Parametern einer Vinyl-Veröffentlichung zu entsprechen. Anschließend fand die Pressung statt. Die Alben erhielten die teilnehmenden Acts, die Förderer des Flying Music Circus sowie diejenigen, die die Produktion des Samplers per Crowdfunding unterstützt hatten. Etwa 200 Exemplare wurden zu Promotionszwecken postalisch oder persönlich an Musikjournalisten, Blogger, Booker und Verlage verteilt.

Bereits im November 2012 fanden an vier Samstagen die Intensiv-Seminare statt, die allen dafür qualifizierten Acts offenstanden.

Mit Ablauf des Projektzeitraums wurden alle quantitativen Projektziele erreicht. Eine qualitative Evaluation unter Mitwirkung der beim Flying Music Circus angemeldeten Acts wurde im Februar 2013 gestartet. Hieran beteiligten sich bis dato 21 Acts und gaben dem Projektteam überwiegend gute bis sehr gute Noten. Auch einige kritische Punkte wurden angemerkt, die aber aus finanziellen Gründen oft nicht anders lösbar waren. Darüber hinaus erhielt das Projektteam sehr gute und brauchbare Vorschläge zur Optimierung der Öffentlichkeitsarbeit.


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