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Dahin geschmolzen - Melt! 2015

„Braucht ihr irgendwas Mädels - Peps, Ecstasy, Kokain?“ , mit diesen Worten wurde ich und eine Freundin bei unseren ersten Schritten auf den Melt-Zeltplatz begrüßt. Was auf dem Splash das Gras war, waren beim Melt! wohl wirklich die chemischen Drogen. Ein paar Schritte weiter und auch andere Eigenheiten zeigten sich. Die Erinnerungen vom Splash, eine Woche zuvor, waren noch nicht verblast, so konnte ich nicht aufhören unaufhörlich Vergleiche ziehen.

Diesmal starteten wir erst am Freitag ins Festivalgetümmel, an einen Tag bei dem auf dem Splash schon die komplette Vermüllung begonnen hatte, war es auf dem Melt! erstaunlich sauber. Noch extremer war, dass dieser Zustand über das gesamte Wochenende anhielt und sich nicht nur auf das Feld erstreckte sondern auch auf die Dixies. Weder Fäkalien noch Kotze auf den Brillen, eine erfreuliche Abwechslung. Wir konnten mit den hohen Sauberkeitsstandards natürlich nicht mithalten und vermüllten unser Minicamp nach guter alter Splashmanier.

Um sich vor der Scham zu verbergen ging es erst mal schnellst möglich aufs Festivalgelände.

Von Bilderbuch hörten wir leider nur aus der Ferne noch zwei Songs. Anschließenden bei Years&Years gab es nicht nur gute Musik sondern auch Zeit mal die anderen Festivalbesucher zu begutachten.

Die Leute und hierbei meine ich nicht nur die Mädchen, haben wirklich jeden Festivalstyle gezeigt den es gibt. Retro Outfits, angehende Zauberer in Glitzersakkos oder auch sehr beliebt bei den Mädels, einfach halb nackt. Getoppt wurden die fancy Outfits nur noch von den kunstvollen Haar- und Gesichtsgestaltungen. Bunte Bemalungen bei denen jeder Indianer eifersüchtig geworden wäre. Blumenkränze die schöner aussahen als sie zutragen waren, ich spreche hier aus Erfahrung. Ich habe mich dazu hinreißen lassen einen der abgelegten Kränze selber einmal auf zu probieren und das ging nur fünf Minuten gut, durch die vielen Metalldrähte die verarbeitet sind, glich das ganze mehr einen Dornenkranz als einen Blütentraum und allen voran Glitzer, Glitzer und noch mehr Glitzer. Vielleicht kennt ihr das, wenn ihr an der Ostsee wart und noch zwei Wochen danach überall Sand findet. Ich habe nie selber Glitzer in mein Gesicht gemacht, trotzdem war irgendwo immer Welcher.


Nun kommen wir aber mal zurück zur Musik. Am Freitag traten auch London Grammar auf, Hannah Reid hat wirklich eine beeindruckende Stimme, nur leider sind die Songs an sich so langweilig das wir ganz schnell weiter gezogen sind. Zum Glück bot der Abend noch Flume, bei dem die Menge richtig in Schwung kam. Viel zu erschöpft für den Sleepless Floor ging es dann auch schon wieder zurück zum Zelt. Am nächsten Morgen auf dem Zeltplatz zeigte sich noch ein weiterer Unterschied zum Splash, hier wurde wirklich nur Geschlafen und sich für die kommenden Acts ausgeruht. Es war ruhig und beschaulich, und es hat sich auch nicht gelohnt auf dem Zeltplatz herumzuschlendern, es war ja eh nichts los. Bezeichnend dafür war auch das ich in allen drei Tagen nur einmal ein gelungenes „HELGAAAAAA“ gehört habe. Nach dem wir glühende Hitze und bedrohliche Hagelschauer überlebt hatten, machten wir uns dann auch mal auf zum Gelände.

Wir starteten mit Annenmaykanterreit, die in einer Art Zirkuszelt spielten. Es war so höllisch heiß da drin, das der Schweiß nur so in Strömen lief. Nichts des zu trotz, war es ein super Auftritt. In dieser kleinen intimen Atmosphäre hatten die Songs und vor allem die starke Stimme von Henning Mey eine viel intensivere Wirkung als so anonym auf der großen Bühne des Kosmonauts.

Leider gab es an dem Tag auch noch eine riesen Enttäuschung. Kylie Minogue hat wirklich den schlechtesten Auftritt des gesamten Festivals geboten. Es gab einfach nichts Gutes, der Gesang, die Tänzer, gesamter Bühnenaufbau, alles war einfach nur nervig. Wir waren scheinbar nicht die Einzigen die es so unerträglich fanden, neben uns hat ein Typ erst mal ne Line gezogen um das Grauen zu ertragen. Wir zogen dann einfach die Variante vor zu verschwinden.

Der nächste Tag startete mit ausgiebigen Regen, der es möglich machte mal länger zu schlafen ohne im Zelt zu verglühen. Doch die Regenwolken zogen weiter und die Sonne zeigte wieder ihre Kraft.

Es wurde wirklich wenig Bierball gespielt, trotz des schönen Wetters, man übte eher mal Zielwurf mit verbrauchten Lachgaskapseln.

Auf den Sonntag hatten sich alle besonders gefreut und so ging es besonders beschwingt zum Gelände. Natürlich war Alt-J für viele der Hauptact des Tage, so das es bei ihnen auch richtig voll wurde. Der Auftritt war schön aber nicht besonders abwechslungsreich, zum Glück stand noch etwas Anderes auf dem Programm. Wir huschten zu Darwin Deez ins Zirkuszelt, bei dem, wegen Alt-J, so wenig Leute waren das man perfekt bis in die ersten Reihen kam und trotzdem noch tanzen konnte. Es war wirklich einer der besten Auftritte die ich je gesehen habe und mein absolutes Melt! Highlight. Wunderschöne Musik und dazu so süße und lustige amateur Tanzeinlagen. Die Stunde ging rum wie im Flug und machte mich zum echten Fan. Keiner konnte sich dem Zauber dieser absolut liebevollen Performance entziehen. Es war wirklich mein perfekte Abschlussact fürs Melt!.


Das Melt! war extrem anders als das Splash, was Vor- und Nachteile hatte. Es war deswegen aber nicht weniger ein schönes Wochenende, das Zelten war entspannter, auch die Sauberkeit war sehr angenehm und die Menschen feierten einfach die Musik und das ist die Hauptsache.


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