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Illegal, Legal, Egal

Über Handy wurde ich durch Bernsdorf gelotst, bis ich nur noch der Musik folgen musste.

Ein alte Fabrikhalle, die Decke fehlte schon und Kabel hingen hingen über den Tanzenden.
Vor allem Studenten, aber auch Eltern mit ihren Kindern tanzten herum oder unterhielten sich angeregt mit einander. Nur ein kleiner geheimer Kreis schien es zu sein, der sich zum Tanzen und Club Mate trinken trifft. Schönes Wetter, schöne Menschen.
Es hatte den Anschein des Verbotenen, des Geheimen, des Illegalen.
So war mein erstes Blume Open Air.
Danach habe ich die Blume Facebookseite gelikt, ab dann war ich immer selbst informiert wann und wo das nächste Blume startet, aber natürlich immer noch unter den Anschein des Geheimen. Den so sind sie ja, die Blume Open Airs, immer etwas aufregend denn erst ganz kurz vor Beginn wird bekannt wo die Party steigt. So wurde ich auf wunderschöne Waldlichtungen und unter verregnete Autobahnbrücken geführt. Es war jedes mal schön, jedes mal sah man einige bekannte Gesichter, aber auch jedes mal wurde diese kleine geheime Tanzgemeinde größer.
Die dunkle Jahreszeit nähert sich nun mit immer schnelleren Schritten und versucht uns in die oft zu warmen und überfüllten Clubs dieser Stadt zu drängen.
Doch noch einmal will ich die Erinnerung an so schöne durchtanzte Sommertage aufleben lassen, dafür haben ich auch mit den Vorreitern in Sachen inoffiziellen Partys in Chemnitz, den Machern des Blume Open Airs, gesprochen.
So erfuhr ich, dass das heute so in Chemnitz etablierte Event ohne großes Konzept als kleine Geburtstagsfeier startet, ganz einfach. „im Freien mit Freunden“. Mit der Hilfe ein paar befreundeter DJ und einer gespannten Slackline entstand so die erste Mini-Ausgabe des Blume Open Air auf den Wiesen hinter der Mensa. Damals noch nicht so gern gesehen, wurde die Veranstaltung von 2 Polizisten aufgelöst. Anfangs lief es eh noch etwas schleppend, so sollen bei den ersten drei Blume jeweils nur etwa 100 Besucher gewesen sein. In Chemnitz scheinen 100 man aber schon zu reichen damit sich eine cooles Partykonzept rum spricht, auch den Veranstalter war dabei unklar das es „ab dem vierten mal so krass explodieren würde“. Ab diesem Blume, in der Glaess Fabrik in Bernsdorf, gehörte auch ich zu dieser damals nun schon auf 700 Besucher angewachsene Tanzgemeinde.
Damals, vor 3 Jahren, waren die Blume-Leute noch die einzigen recht bekannten die Open Airs in dieser Art organisierten. Die Realisierung des Blume Open Airs scheint ja auch gar nicht so schwer zu sein, wie man vielleicht denkt. So wurde mir berichtet:„Wir hatten eigentlich nie Probleme, weil wir von dem ganzen Pfand, den die Leute liegen lassen immer genug Geld hatten, um alle wichtigen Politiker zu bestechen.“, natürlich nur ein Spaß. Selbst von Seiten der Polizei gab es für das Blume kaum Probleme, „weil man uns anscheinend duldet, solange wir unsere Locations danach ordentlich aufräumen“. Löblich gegen über unserer Stadt, bemerkt auch das Blume Team „dass die Stadt kapiert, dass so eine Party wichtig für die Chemnitzer Jugend- und Subkultur ist“ das „ muss man ihr auch mal zu gute halten.“
Nur mir der Location suche, bei den steigende Zahlen an Tanzwütigen, wird es langsam schwierig, erfahre ich. Für angehende Open Air Planer gibt das Blume Team hier schon mal den Tipp: „Bahngelände ist tabu, da kommt nach einer halben Stunde die Bundespolizei.“
Für DJs und das andere Drumherum, was für eine Blume nötig ist, hat das Blume Team viele Freunde die ihnen hier und da helfen.
Heute gehen auch viele Sachen, die Planung und Umsetzung angehen, leichter von der Hand.
„Vor allem Standardaufgaben, wie Booking oder Getränkekauf lassen sich mit einiger Erfahrung schneller abwickeln. Aber trotzdem versuchen wir immer, etwas neuen Schwung in die Sache zu bringen, auch wenn das dann am Ende nur eine Popcorn Maschine ist.“ Das Blume entwickelt sich also kontinuierlich weiter, was auch den Besuchern gefällt.
Größere Herausforderungen bietet da aber zum Beispiel die Zusammenarbeit mit dem Kosmonaut Festival, auf dem das Blume mit einer eigenen Bühne vertreten war, erfahre ich. Natürlich bedeutet so ein großes Projekt mehr Stress und Planungsaufwand. „Dafür macht es aber auch unglaublich viel Spaß.“.
Die Zukunft des Blume Open Airs ist noch unklar, „denn wir hoffen dadurch unnahbar und geheimnisvoll zu wirken“, wird gespaßt. Sie geben aber auch zu, dass es an einer leichten Verplantheit liegt und daran, dass sich immer erst mal intensiv um das nächste Blume gekümmert wird.
Es ist nur zu hoffen, dass das Blume uns noch lange erhalten bleibt, denn es ist jedes mal ein Highlight im manchmal so grauen Chemnitzer Alltag.
Zudem scheint das Blume Open Air Nachahmer zu inspirieren, so wie das Zugvögel, Tanzkomitee oder das #heshdeg. Der Anschein des Geheimen geht dabei doch etwas verloren, aber was soll`s, Hauptsache man hat einen schönen Anlass, um Freunde zu treffen und mit ihnen zu tanzen.


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