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Lichtgeschwindigkeit beim Kosmonaut

Wenn ein Kosmonaut mit Lichtgeschwindigkeit fliegt, vergeht für ihn die Zeit wie im Flug. Für die auf der Erde Zurückgebliebenen ist währenddessen gefühlt eine halbe Ewigkeit verstrichen. Ähnlich muss es all jenen ergangen sein die nicht mit dabei waren, all den Bedauernswerten die das Wochenende lieber zu Hause geblieben sind anstatt das Kosmonaut Festival zu besuchen.
Der Stausee Rabenstein öffnete zum zweiten mal seine Tore um die feierwütigen Festivalbesucher willkommen zu heißen. Wir waren natürlich mit von der Partie und wurden nicht enttäuscht.

Als echte Chemnitzer zogen wir unsere heimischen Betten hartem Boden vor und konnten uns eine Übernachtung auf dem Zeltplatz sparen. Somit fiel zum Glück aber auch Leider das ganze Zeltplatzbrimborium weg.
Natürlich sind wir viel zu leichtlebig um Shuttelbus-Zeiten herauszusuchen oder gar Regenkleidung einzupacken, was aber eigendlich auch egal war, denn in den Schuttelbussen herrschte weiterhin Ausnahmezustand wodurch es auch mal zu einem geplatzten Reifen oder einem Achsenbruch kam. Wenn schon nicht auf den Bus, konnte man sich dafür aber glücklicherweise auf die kostenlosen Regenponchos verlassen, die es gegen vereinzelte Schauer gab.

Da wir Jugendliche und als solche immer etwas knapp bei Kasse sind, planten wir im Vorraus wie man am besten den teuren Essens- und Getränkepreisen aus dem Weg gehen kann. Um es knapp zu halten: Wir haben schon mal fürs Leben gelernt wie man in guter Festivaltradition Bier schmuggelt.

Als Chemnitzer muss man sich auf dem Kosmonaut Festival ganz einfach heimisch fühlen, wo sonst sieht man innerhalb weniger Tagen nahezu alle Freunde und Bekannten, die man in Chemnitz hat.
Doch natürlich gab es auch unter den Nichtchemnitzern viele nette und schöne Menschen.
 Festivalklassiker wie Mädchen mit Blumenkränzen im Haar, Herren und Damen die uns mit ihren Schildern zum schmunzeln brachten und hin und wieder einige Typen ohne T-Shirt rundeten den Gesamteindruck eines gelungenen Festivals ab.
Am zweiten Tag war die Kleidungsauswahl recht egal. Es hatte hin und wieder geregnet und man verschmolz in seinem Regenponcho mit den anderen Festivalbesuchern zu einer homogenen Masse.

Am Stausee angekommen, stimmten wir uns auf Musik sowie Mensch ein und nahmen die Eindrücke eines noch frischen Festivals in uns auf. Die Hintergrunduntermalung dazu lieferten „Bilderbuch“. In Erinnerung davon ist mir nur der textlich erstklassige Refrain „Coca Cola, Fanta, Sprite, 7Up, Pepsi alright alright, OK“ geblieben. Danach verbreiteten die Mighty Oaks aus Berlin gute Laune. Alligatoah schloss sich diesem Konzept an und brachte Jung und Alt zum feiern. Mit seinem Hit „Willst du mit mir Drogen nehmen“ versetzte er das gesamt Gelände in wilde Ekstase. Casper, auf den gefühlte tausend verrückte Zwölfjährige stundenlang vor der Bühne warteten, schloss den Abend mit seiner großartigen Show ab. Zwischen erhobenen Mittelfingern und Wunderkerzen traten dann auch die Gastgeber kurz mit auf. Am Ende hatte man das Gefühl, dass auch die, die Casper sonst gar nicht mögen, einfach nur glücklich waren.
Nach diesem fantastischen Konzert brachten die Drunken Masters auf der Blume Bühne noch einmal alle zum tanzen.
 


Der zweite Tag startete mit Still Strees, die den meisten Chemnitzern spätestens seit der zweiten Ausgabe Rock am Kopp bekannt waren.
Bands wie The Durango Riot, WhoMadeWho und Blood Red Shoes verbreiteten eine eher ruhigere und entspanntere Stimmung, ganz im Gegensatzt dazu FeineSahneFischFilet. Es wurde wild getanzt und sich mit größter Begeisterung in den Moshpit geworfen. Herrausgekommen sind wir übersäht mit blauen Flecken, kaputten Klamotten und Nasenbluten, aber ohne ein paar Verletzungen wäre das Ganze ja auch sinnlos gewesen.

Je später es wurde desto mehr Gerüchte über den geheimen Headliner machten die Runde.
Marteria, Cro oder sogar Arctic Monkeys? Einige Ideen zeugten dann schon von viel Fantasie, aber vielleicht lag das auch einfach nur am Alkohol...
Dann endlich, die Erlösung: FETTES BROT. Natürlich ist diese Band jedem ein Begriff. Im ersten Moment hielt sich jedoch die Begeisterung in Grenzen, aber zu meinem erstaunen war es am Ende doch gut. Die Lieder konnte ich erstaunlicherweise größtenteils mitsingen und tanzen ging trotz großer Nähe zur ersten Reihe auch.
Nach der ganzen Aufregung ging es zu Milky Chance welche auf der Blume Bühne auftraten. Nach dem sich unsere Gruppe von mindestens 15 Leuten endlich wieder gefunden hatte, war es auch schon wieder gegen 3:00 Uhr.
Die Uhrzeit, zwei Tage Festival in denen man sich fast ausschließlich von Bier ernährt hatte, zeigten ihre Spuren und brachten seltsame Ideen. Die Aufräumer fragten sich sicher am nächsten Tag was eine Säule mit Zigaretten, Holz, Wodka, Bierdosen und anderem Müll zu bedeuten hat.

Das Kosmonaut Festival ist ein kleines, aber feines Festival, das ich schon jetzt nicht mehr missen möchte.
Möge es uns lang erhalten bleiben. Wir sind im nächsten Jahr sicher wieder mit dabei.


Fotos von:
Ernesto Uhlmann Film & Photography
Maria Tomasa Llera Pérez


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